Joscha Aaron Schmidt
2026-08-26 · VPN · Datenschutz · Cybersecurity

Meine VPN-Empfehlungen: Proton VPN und Mullvad VPN

Ein VPN ist kein magischer Anonymisierungs-Schalter. Es verschiebt aber einen wichtigen Teil des Vertrauens vom eigenen Internetanbieter zum VPN-Anbieter. Deshalb würde ich nicht irgendeinen Dienst auswählen, nur weil auf der Startseite mit „Military Grade Encryption“ und großen Rabattcodes geworben wird.

Für mich zählen vor allem nachvollziehbare Datenschutzregeln, technische Transparenz und die Frage, ob ein Anbieter seine Versprechen auch unabhängig überprüfen lässt. Aus diesen Gründen empfehle ich aktuell Proton VPN und Mullvad VPN.

Meine erste Wahl für viele Nutzer: Proton VPN

Proton VPN ist für mich besonders interessant, weil Datenschutz hier nicht nur über eine Marketing-Aussage verkauft wird. Proton veröffentlicht seine No-Logs-Audits und lässt die Infrastruktur regelmäßig von unabhängigen Sicherheitsexperten prüfen.

Das aktuelle Securitum-Audit wurde 2026 veröffentlicht. Darin fanden die Prüfer keine Hinweise darauf, dass die untersuchte Proton-VPN-Serverinfrastruktur Browseraktivitäten, DNS-Anfragen, Zielseiten, Inhalte des Netzwerkverkehrs oder benutzeridentifizierbare Verbindungsmetadaten protokolliert. Außerdem wurden keine dauerhaften Aufzeichnungen gefunden, mit denen Proton einen bestimmten Nutzer mit Aktivitäten über einen geprüften VPN-Server verbinden könnte.

Das ist für mich ein wesentlicher Unterschied zwischen „wir speichern nichts“ und einer Behauptung, die regelmäßig von unabhängigen Prüfern untersucht wird. Proton gibt außerdem an, dass die No-Logs-Policy bereits in hunderten rechtlichen Fällen relevant war und Logs zur Identifizierung von Nutzern nicht herausgegeben werden konnten, weil die entsprechenden VPN-Aktivitätslogs nicht existierten.

Wichtig ist dabei eine saubere Formulierung: Proton VPN ist kein Dienst ohne Benutzerkonto. Für Proton-Dienste gibt es Kontoinformationen. Der entscheidende Punkt ist, dass diese Kontodaten von den VPN-Aktivitätsdaten getrennt sind und Proton nach eigener Richtlinie keine VPN-Nutzungsprotokolle wie besuchte Websites, IP-Adresse, Sitzungsdauer oder Standort speichert.

Was mir an Proton VPN besonders gefällt

  • Unabhängige No-Logs-Audits: Die Infrastruktur wird regelmäßig extern geprüft und die Ergebnisse werden veröffentlicht.
  • Open-Source-Apps: Der Quellcode der Proton-VPN-Apps ist öffentlich einsehbar.
  • Schweizer Sitz: Proton VPN unterliegt dem Schweizer Rechtsrahmen und gibt an, dass für den VPN-Dienst keine allgemeine Pflicht zur Speicherung von Verbindungslogs besteht.
  • DNS-Schutz: DNS-Anfragen werden durch den VPN-Tunnel geleitet, wodurch klassische DNS-Leaks vermieden werden sollen.
  • Kill Switch: Bei einem Verbindungsabbruch kann der Netzwerkverkehr blockiert werden, damit die normale Verbindung nicht unbemerkt weiterläuft.
  • Secure Core: Für zusätzliche Schutzschichten können Verbindungen über speziell abgesicherte Server geführt werden.
  • Kostenlose Option: Proton VPN bietet auch einen kostenlosen Tarif an, der laut Proton ebenfalls unter die No-Logs-Policy fällt.

Für Einsteiger ist Proton VPN deshalb besonders attraktiv: Es verbindet eine relativ einfache Bedienung mit einer Datenschutzarchitektur, die sich anhand von Audits und veröffentlichten technischen Informationen nachvollziehen lässt.

Meine Empfehlung für maximale Datensparsamkeit: Mullvad VPN

Wenn es mir dagegen darum geht, bei der Kontoerstellung möglichst wenig persönliche Daten anzugeben, ist Mullvad VPN mein Favorit.

Mullvad geht bei der Kontoerstellung einen ungewöhnlich konsequenten Weg: Es werden laut der aktuellen No-Logging-Policy kein Benutzername, kein Passwort und keine E-Mail-Adresse benötigt. Stattdessen wird eine zufällige Kontonummer erzeugt. Für die Nutzung des Kontos sind im Kern diese Kontonummer und die verbleibende Laufzeit relevant.

Genau dieses Design ist für mich ein starkes Argument. Ein Anbieter kann nur schwer Daten herausgeben, die er gar nicht erst benötigt und speichert.

Mullvad veröffentlicht außerdem regelmäßig externe Sicherheitsprüfungen. 2026 wurde unter anderem ein White-Box-Audit der Account- und Payment-Services veröffentlicht. Bereits frühere Infrastrukturprüfungen untersuchten ausdrücklich die Frage, ob Nutzeraktivitäten protokolliert werden. Bei einer 2023 veröffentlichten Infrastrukturprüfung wurden auf den untersuchten VPN-Relays keine Protokollierungen von Nutzerdaten festgestellt.

Was mir an Mullvad besonders gefällt

  • Kein klassisches Benutzerkonto: Keine E-Mail-Adresse, kein Passwort und kein Benutzername bei der Registrierung.
  • Nummeriertes Konto: Die Kontonummer ist der zentrale Identifikator.
  • Klare No-Logging-Policy: Mullvad erklärt detailliert, welche Daten nicht protokolliert werden und welche wenigen Daten aus technischen oder Zahlungsgründen verarbeitet werden können.
  • Externe Audits: App-, Infrastruktur- sowie Account- und Payment-Systeme wurden wiederholt extern untersucht.
  • Open Source: Die VPN-Anwendungen sind offen einsehbar und werden regelmäßig Sicherheitsprüfungen unterzogen.
  • Starker Fokus auf Datensparsamkeit: Datenschutz ist nicht nur ein Zusatzfeature, sondern ein wesentlicher Teil des Produktdesigns.

Proton VPN oder Mullvad VPN?

Für mich hängt die Entscheidung vom Anwendungsfall ab.

Proton VPN würde ich empfehlen, wenn du einen komfortablen, vielseitigen VPN-Dienst mit einem großen Funktionsumfang und einer sehr transparent dokumentierten No-Logs-Architektur möchtest. Die regelmäßigen Audits, Open-Source-Apps und die veröffentlichte Transparenz rund um rechtliche Anfragen sind für mich starke Vertrauenssignale.

Mullvad VPN würde ich wählen, wenn Datensparsamkeit bei der Registrierung oberste Priorität hat. Dass kein Name, kein Passwort und keine E-Mail-Adresse für ein normales Mullvad-Konto erforderlich sind, reduziert die Menge an personenbezogenen Daten, die überhaupt mit dem VPN-Konto verbunden werden müssen.

Beide Anbieter zeigen für mich, warum ein VPN nicht allein nach Geschwindigkeit oder Rabatt bewertet werden sollte. Entscheidend ist, wie viel Vertrauen du dem Anbieter geben musst und ob sich dessen Aussagen technisch und organisatorisch überprüfen lassen.

Was ein VPN trotzdem nicht kann

Auch ein guter VPN-Dienst macht dich nicht automatisch anonym.

Ein VPN schützt insbesondere die Verbindung zwischen deinem Gerät und dem VPN-Anbieter und verbirgt deine öffentliche IP-Adresse gegenüber den Zielservern. Es schützt dich aber nicht davor, dass Websites dich über Cookies, Browser-Fingerprinting, eingeloggte Accounts oder andere Tracking-Techniken erkennen.

Wenn du dich beispielsweise mit deinem Google-, Microsoft- oder Instagram-Konto anmeldest, weiß der jeweilige Dienst weiterhin, dass du es bist. Ein VPN ersetzt deshalb weder einen sicheren Browser noch gute Kontosicherheit, Mehrfaktor-Authentisierung und einen bewussten Umgang mit Tracking.

Mein Fazit

Wenn du mich nach zwei VPNs fragst, denen ich aktuell am ehesten vertraue, nenne ich Proton VPN und Mullvad VPN.

Proton überzeugt mich vor allem durch die Kombination aus Open Source, regelmäßigen unabhängigen Audits, einer klaren No-Logs-Policy und transparenter Kommunikation über rechtliche Anfragen. Mullvad geht bei der Datensparsamkeit noch einen Schritt weiter und benötigt für ein normales VPN-Konto nicht einmal eine E-Mail-Adresse oder ein Passwort.

Das sind für mich deutlich belastbarere Gründe als reine Werbeversprechen.

Quellen:

Meine VPN-Empfehlungen: Proton VPN und Mullvad VPN | Joscha Schmidt